Blind Spots in the Sun

Blind Spots in the Sun ist eine Reihe von Kunstinterventionen, die sich mit Kolonialismus, kollektivem Gedächtnis und Rassismus in Deutschland beschäftigen.
Der Name Blind Spots in the Sun leitet sich von dem Satz “Auch wir fordern unseren Platz an der Sonne” ab, mit dem der deutsche Außenminister Bernhard von Bülow 1897 die Kolonialpolitik des Kaiserreichs beschrieb. Er spielt auch auf die vielen blinden Flecken an, die es im deutschen Bewusstsein angesichts dieses Kapitels seiner Geschichte gibt, und wie es dazu beigetragen hat, eine subtilere Form des Rassismus in der deutschen Psyche zu verankern, die bis heute virulent ist. Rassismus wird oft ausschließlich mit rechtsextrem gleichgesetzt. Er fängt aber schon da an, wo man Menschen wegen ihrer Hautfarbe stereotypisiert.
Die große Mehrheit ist sich gar nicht bewußt, dass dies bereits eine Form von Rassismus ist und verletzend sein kann. Der Effekt sind unbewusste Ausgrenzung und Mikro-Aggressionen.

Blind Spots in the Sun versucht, diese blinden Flecken durch künstlerische Interventionen offenzulegen und zum Nachdenken anzuregen. Wir wollen dazu beitragen, dass der Rassismus-Begriff weiter gefasst wird, und dass die weisse Mehrheitsgesellschaft in Deutschland, die sich ja nicht als rassistisch begreift, sich aktiver auseinandersetzt mit weniger sichtbaren Formen des Rassismus und mehr Verantwortung übernimmt, in dem das eigene Verhalten kritisch reflektiert wird.

Podiumsdiskussion

InKooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. und Blind Spots in the Sun fand am 3. September 2021 im ruruhaus der documenta fifteen in Kassel eine Podiumsdiskussion zu den Themen Kolonialgeschichte und Anti-Schwarzen-Rassismus in Deutschland statt. Ein besonderer Fokus lag auf der Debatte um die Rehabilitierung von Rudolf Duala Manga Bell, der Opfer eines Justizmords seitens der deutschen Kolonialregierung in Kamerun war und dessen Nachfahren Prinzessin Marilyn Duala Manga Bell und Jean-Pierre Félix Eyoum mit auf dem Podium sassen.

Hier ein link zum Mitschnitt in voller Länge

Die Teilnehmer*Innen:

Mo Asumang ist Filmregisseurin, Fernsehmoderatorin, Bestseller-Autorin, Schauspielerin, Sängerin, Künstlerin und Filmproduzentin. Sie zeigt ihre Dokumentarfilme in Schulen und hält Vorträge über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. 2019 erhielt sie dafür das Bundesverdienstkreuz.

Prinzessin Marilyn Douala Manga Bell ist Sozialökonomin und Kuratorin. Sie ist Urenkelin von Rudolf Duala Manga Bell und Mitbegründerin der Kultureinrichtung doual’art in Duala, Kamerun. Für ihre Verdienste um den internationalen Kulturaustausch erhält sie vom Goethe-Institut die offizielle Ehrenmedaille 2021 der Bundesrepublik Deutschland.

Jean-Pierre Félix-Eyoum wurde in Kamerun geboren und arbeitete seit den 1980ern als Sonderschullehrer in Deutschland. Er ist Mitbegründer von Deutschland Postkolonial und setzt sich für die Rehabilitation seines Großonkels Rudolf Duala Manga Bell ein, der 1914 vom deutschen Kolonialregime in Kamerun zu Unrecht hingerichtet wurde.

Henrik Langsdorf arbeitet international in den Bereichen Kunst im öffentlichen Raum, Videoinstallation und Design. Seine Videoinstallation "Ville Fantôme/Kinshasa La Belle" wurde auf der Congo Biennale in Kinshasa gezeigt und war Teil der Lichtinstallationen am Weinberg in Kassel.
Er ist Initiator von Blind Spots in the Sun.

Emilene Wopana Mudimu ist Sozialarbeiterin, Poetry-Künstlerin und politische Aktivistin in den Bereichen Empowerment-Arbeit mit Schwarzen und Anti-Rassismus-Training. Sie hat u.a. für die Konrad-Adenauer-Stiftung, den DGB und das Theater Oberhausen gearbeitet. Außerdem leitet sie "KingzCorner" in Aachen, ein soziokulturelles Zentrum, das Jugendlichen mit Migrationshintergrund Unterstützung bietet.

Moderation:
Aisha Camara arbeitet als freie Moderatorin und PR-Consultant in Frankfurt am Main. Ihre Themenschwerpunkte sind politische Bildung, Rassismus und Feminismus.


Blinds Spots in the Street: Kunst im öffentlichen Raum

Dieses Projekt ist eine Plakataktion, die auf ungenutzten Großwerbeflächen in Kassel stattfindet.
Im ersten Teil wurden in einem Wettbewerb Künstler*Innen, Designer*Innen und Illustrator*innen aufgefordert, Plakatideen zu entwickeln, die auf unkonventionelle Art ein breit gefächertes Publikum an die Themen Kolonialgeschichte und Rassismus heranführen.


Der zweite Teil der Plakataktion heißt Was Wir nicht sehen in Kassel. Hierzu wurden Erfahrungen von Alltagsrassismus, wie er von Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Menschen in Kassel erlebt wird, zeitgleich mit den von der Jury ausgewählten Arbeiten vom ersten Teil von Blinds Spots in the Street plakatiert.




Blind Spots in the Sun Ausstellung Frühjahr 2022

In dieser Ausstellung werden die Ergebnisse des Wettbewerbs präsentiert, sowie die Verflechtungen der deutschen Kolonialgeschichte mit afrikanischen Ländern am Beispiel Kameruns dokumentiert. Außerdem werden die Zusammenhänge zwischen den Stereotypen aus der Kolonialzeit mit dem Rassismus, der im Deutschland der Gegenwart existiert, dokumentiert.

In einer zweikanaligen Videoninstallation von Henrik Langsdorf wird das Leben von Rudolf Duala Manga Bell, das eng mit der Geschichte und Kultur Deutschlands verwoben ist, auf nicht-lineare Weise erzählt.

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